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Einweihung des Denkmals für die Opfer des Nationalsozialismus in Wasserburg am Inn

62 Stelen erinnern an die Wasserburger Bürgerinnen und Bürger, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen.

Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung von Ausschwitz wurde in Wasserburg der Opfer des Nationalsozialismus mit der feierlichen Einweihung eines Denkmals gedacht. Als einen Ort der Erinnerung bezeichnete Bürgermeister Michael Kölbl das aus Stelen bestehende Denkmal am Heisererplatz in der Wasserburger Altstadt. Die wichtige Funktion gegen das Vergessen, die die Nennung der Namen aller bisher recherchierten Opfer innehat, betonte auch Vizebezirkstagspräsident Rainer Schneider in seinem Grußwort. Die Zeit des Nationalsozialismus gehört zum dunkelsten Kapitel der deutschen Psychiatrie, in der große Geringschätzung sowohl durch Ärzte als auch der Gesellschaft gegenüber psychisch Kranken herrschte, so Prof. Dr. Zwanzger, Ärztlicher Direktor am kbo-Inn-Salzach-Klinikum, in seiner Rede. Auch Ärzte der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Gabersee waren an den Verbrechen der damaligen Zeit beteiligt, von November 1940 bis April 1941 wurden viele hunderte Patienten aus Wasserburg in die Tötungsanstalt Hartheim bei Linz gebracht. Insgesamt fielen dem sogenannten Euthanasie-Programm mindestens 250.000 psychisch Kranke und Behinderte in Deutschland zum Opfer. In Meldebögen mussten alle psychischen und neurologischen Erkrankungen der Patienten ausgefüllt und gemeldet werden. Als Klinik mit einer lang zurückreichenden Geschichte war das kbo-Inn-Salzach-Klinikum deshalb bereits im Vorfeld intensiv an den Forschungsarbeiten des Arbeitskreises beteiligt. Dürftige Quellen bzw. Unterlagen und Zeugenaussagen, die verbrannt wurden, erschweren diese Recherche bis heute. Dennoch steht zweifelsfrei fest, dass auch Ärzte der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Gabersee an den Verbrechen der Nationalsozialisten beteiligt waren. Hinweise auf sog. Verlegungsaktionen finden sich auch in Notizen des damaligen Ärztlichen Direktors Dr. Friedrich Utz.

Helene Leitner erzählte als Vertreterin der Opferangehörigen vom bewegenden Schicksal ihrer Großmutter Therese Mühlberger, die zunächst sieben Jahre als Patientin in Gabersee verbrachte, bevor sie deportiert und ermordet wurde – dürftig dokumentiert durch eine schmale Krankenakte. Auch ihr Name ist nun auf dem Denkmal zu finden.

742 Namen erinnern an die Opfer, auf den Stelen selbst ist noch Platz für weitere Namen, die in zukünftiger Forschungsarbeit ermittelt werden. Die Jury, bestehend aus Vertretern der Stadt, der Stiftung Attel und des kbo-Inn-Salzach-Klinikums, wählte aus über 90 eingereichten Vorschlägen den Entwurf von Dagmar Korintenberg und Wolf Kipper aus. Die Stelen in unterschiedlichen Größen bilden ein Oval mit Sitzgelegenheiten in der Mitte, die Innenseiten sind mit Namen der Opfer und Informationen zu den einzelnen Opfergruppen beschriftet, die Seiten nach außen, die dem Park zugewandten Flächen sind verspiegelt. Für den Betrachter entsteht so die Verknüpfung seines eigenen Spiegelbildes mit der Umgebung und dem Denkmal selbst. So soll das Denkmal zugleich ein offener und geschlossener Raum der Erinnerung sein und zum Verweilen, Reflektieren und Gedenken einladen.

Im Anschluss an die Einweihung des Denkmals wurde im Museum Wasserburg die Sonderausstellung „In Memoriam“ über die Patientenmorde der NS-Zeit eröffnet. Ergänzend dazu werden auch am kbo-Inn-Salzach-Klinikum in den nächsten Monaten weitere Veranstaltungen und Aktionen zum Gedenken an die Opfer und Angehörigen stattfinden, die damit den lokalen Bezug zur Ausstellung herstellen.

Öffentlichkeitsarbeit, kbo-Inn-Salzach-Klinikum

Das Denkmal – bestehend aus 62 Stelen – am Heisererplatz in Wasserburg am Inn

 

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