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Neue Unterstützung in der Reittherapie

Shine On wird für das therapeutische Reiten ausgebildet.

Frau März, Sie haben jetzt nach längerer Suche ein neues Therapiepferd gefunden. Welche  besonderen Fähigkeiten braucht ein Pferd, um im Umgang mit Patienten eingesetzt werden zu können?

Vanessa März (VM): Es ist gar nicht so einfach, ein passendes Pferd zu finden. Pferde sind Fluchttiere. Dieser Impuls darf nicht zu ausgeprägt sein, sie dürfen zum Beispiel bei Lärm nicht gleich davonrennen. Außerdem müssen die Pferde sensibel sein, sie sollen beispielsweise das Verhalten der Patienten reflektieren, ihre Emotionen erkennen und spiegeln. Wichtig ist noch, dass sie einen bequemen Rücken haben, schließlich sitzen die Patienten ohne Sattel direkt auf dem Pferd.

Lisa Kreuzer (LK): Daher ist es auch sehr wichtig, dass die Pferde geschmeidige Bewegungen haben. Dadurch kommen die Klienten in einen Rhythmus, den viele als angenehm empfinden. Sie können dabei die Bewegung und die Wärme erspüren. Es ist auch sehr wichtig, dass das Pferd gerne in Beziehung mit Menschen geht.

Vanessa März: Wenn all diese Voraussetzungen erfüllt sind, und das Pferd zudem jung und gesund ist, können wir mit der Ausbildung zum Therapiepferd beginnen.

Klingt gar nicht so einfach. Haben Sie lange nach einem passenden Pferd suchen müssen?

LK: Das kann man so sagen. Wir haben uns viele Pferde angeschaut. Drei davon wären für die anspruchsvolle Aufgabe als Therapiepferd in Frage gekommen, hatten jedoch gesundheitliche Probleme. Shine On war das 34ste Pferd, das wir uns angeschaut haben.

Wie muss man sich eine Therapiestunde vorstellen?

VM: Wir haben derzeit jede Woche vier Gruppen mit jeweils acht Patientinnen und Patienten, die für drei Stunden beim Therapeutischen Reiten sind.

LK: Zusammengefasst besteht eine Therapieeinheit aus einem Vorgespräch, der Arbeit mit unseren Therapiepferden und einem Nachgespräch. Jede Therapiestunde ist eine geschlossene Einheit, so dass auch Patienten, die nur einmal daran teilnehmen, davon profitieren können. Die Patienten formulieren im Vorgespräch ihre Therapieziele und wählen das Pferd aus, mit dem sie diese verfolgen wollen. All unsere Therapiepferde haben unterschiedliche innere und äußere Eigenschaften.

VM: Al Bundy ist ein fuchsfarbenes Alphatier. Er ist 21 Jahre alt und eignet sich beispielsweise gut, um das Verhältnis von Nähe und Distanz zu erspüren. Wichnera ist eine 26-jährige schwarze Stute, die schon sehr viel Erfahrung hat. Sie passt gut auf ihre Gruppe auf und strahlt Ruhe aus. Nepomuk ist ein Kaltblut. Neben seiner Aufgabe als Therapiepferd ist er auch ausgebildetes Kutschpferd. Deshalb läuft er auch sehr gerne. Um ihn anzuhalten, benötigt es viel Präsenz und Durchsetzungsfähigkeit. Shine On ist neu im Team. Sie ist acht Jahre alt und möchte schon jetzt alles richtig machen. Sie ist neugierig, verspielt und freut sich immer über Lob.

LK: Die Pferde werden gemeinsam von den Patienten gepflegt. In der Reithalle können die Patienten sich gegenseitig auf den Pferden führen oder die Zügel in die Hand nehmen und selbstständig reiten. Es finden sowohl Körperwahrnehmungsübungen als auch Übungen zur Ich-Stärkung statt. Im Nachgespräch wird das gemeinsam Erlebte reflektiert und geordnet. Ziel dabei ist, das Erlernte in den Alltag zu übertragen.

Wann wird Shine On soweit sein, um in der Therapie mitzulaufen?

VM: Shine On schnuppert bereits erste Therapie-Luft. Sie wird von uns zum Therapiepferd ausgebildet und konnte schon eine vertrauensvolle Beziehung zu uns Therapeuten aufbauen. Diese bildet die Basis für die gemeinsame Arbeit im therapeutischen Setting. Auch der Gruppe bereitet es große Freude, Shine On an neue Aufgaben heranzuführen.

Dann wünschen wir Ihnen, dass sie sich schnell einarbeitet und weiterhin viel Spaß an der Arbeit hat!

Das Interview führte Monika Dreher aus dem kbo-Isar-Amper-Klinikum München-Ost.

Alle Informationen zum therapeutischen Reiten

Vanessa März kommt aus Marktoberdorf und hat in München an der Technischen Universität Berufspädagogik im Bereich der Gesundheits- und Pflegewissenschaften studiert. Parallel hat sie eine Ausbildung zur Reitpädagogin an der Münchner Schule für Psychotherapeutisches Reiten absolviert und befindet sich momentan in der Ausbildung zur Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin. Lisa Kreuzer stammt aus München und hat an der Universität Innsbruck Psychologie studiert. Aktuell wird die Therapie für folgende Stationen am kbo-Isar-Amper-Klinikum München-Ost  angeboten:

Montag: Haus 30 Haus 56 D3 und D4

Dienstag: Haus 15/Haus 56 D1 und D2

Donnerstag: Haus 71 Haus 52 E/Haus 56 D3 und D4

Freitag: Tagesklinik Ost/Haus 56 E4

 

 

 

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